Hier eine kleine Aktion, die aus Kommunikationssicht und aus juristischer Sicht interessant ist: Gamestar, ein Onlinehändler aus England hat als Aprilscherz seine Kunden beim Kauf per Checkbox einwilligen lassen, dass Sie Gamestar ihre “unsterbliche Seele verkaufen”. 7500 Käufer haben dem Vertrag zugestimmt.
Zum einen ist dieser Stunt natürlich sehr PR-wirksam. Diese Aktion war eine schöne und kostenlose Werbung für den Händler. Zum anderen sieht man daran, dass fast niemand die komplizierten und umfangreichen Vertragsdetails liest. Für den Gesetzgeber ist das aus meiner Sicht ein klares Signal die Regelungen nicht zu verkomplizieren, sondern zu vereinfachen.
Die beliebte “I´m on an Horse” Kampagne geht heute offiziell zu Ende. Und sie war außerordentlich erfolgreich. Nicht zuletzt weil es eine echte Strategie dahinter gab: Zuerst einmal anfüttern, dann weitere Spots nach genau der richtigen Zeit. Und dann (und das war einigermaßen neu) von Leuten via Twitter vorgeschlagene Spots umsetzen. Darunter war sogar ein Heiratsantrag. Also zuerst via Facebook die Kampagne anlaufen lassen. Dann Weiterverbreitung via Mails. Dann nachlegen. Dann Interaktion via Twitter. “Old Spice hört zu und macht was der Kunde will” ist die Message. Das Briefing “nehmt Old Spice das Opa-Image” ist zu 100% umgesetzt (auch wenn Old Spice schon lange vorher mit skurilen Spots daherkam).
Die Zahlen:
- 600 000 Freunde auf Facebook
- 33 Mio Spotabrufe
- 120 000 Kommentare
- Budget: Sehr überschaubar
- Weltrekord im Bereich “die meisten Views innerhalb der ersten 24 nach Launch”. Noch vor Obamas Antrittsrede, Bush wird von einem Schuh getroffen und Susan Boyle.
Und das alles als eine Werbekampagne und nichts Krankes oder Zufälliges. Hut ab.
Standardmäßig installieren wir unseren Kunden das bewährte Google Analytics. Als Zugriffsstatistik halten wir dieses kostenlose Werkzeug für sehr sinnvoll, um anstehende Entscheidungen in der Kommunikation mit Daten zu unterfüttern. Ein einfaches Beispiel: Ob man eine englische Version der Website entwickeln soll, sagen einem einem neben der strategischen Ausrichtung des Vertriebes, die schlichten Besucherzahlen aus dem Ausland. So haben wir beipielsweise einen Kunden, der völlig überrascht davon war, dass 1/3 seiner Besucher aus den USA kommen. Oder ein anderer Kunde hat durch eine einfache Anpassung im Bestellprozess deutlich mehr Umsatz generiert – nachdem man gesehen hat, dass die Kunden zwar im Shop sind und Waren in den Warenkorb legen, dann aber abbrechen. Dies sind einfachste Basics. Analytics kann aber auch abgefahrene Aufgaben lösen wie z.B. “wenn ich zwei Versionen meiner Website ins Netz stelle und 50% auf jede Version schicke, welche ist dann die erfolgreichere”. Daher raten wir den weitaus meisten unserer Kunden Analytics zu nutzen und kein Geld für eine kostenpflichtige Trackingsoftware auszugeben.
Die Kehrseite der Datenmedallie sind aber Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes. Wenn man es darauf anlegt, kann man sehen was jeder Besucher genau macht. Ein Besucher ist in diesem Fall eine eindeutige IP-Adresse. Und manche Menschen haben dabei ein mulmiges Gefühl. Da die Adresse aber dynamisch vergeben wird, kann man ohne Zugriff auf die Provider nicht darauf schließen, wer der Besucher war. Und solch einen Zugriff bekommen selbst Staatsanwälte nur sehr schwer. Daher halte ich die Bedenken für unbegründet. Für alle anderen bessert Google jetzt nach. Man kann jetzt die genau Auflösung abschalten ohne große Auswertungen zu verlieren. Damit ist Analytics wieder salonfähig. Auf Surferseite stellt Google hier eine Erweiterung für den Browser zur Verfügung, die verhindert, dass seine Daten erfasst werden.
Unter http://www.hej-community.de/ hat Ikea eine Community gestartet. Was auf den ersten Blick als richtige Entscheidung daherkommt – schließlich sind die IKEA Kunden höchstwahrscheinlich im Social Web sehr aktiv – entpuppt sich als kommunikativer Rohrkrepierer. Da hilft auch kein Beta-Aufkleber. Außerdem macht man das seit 2004 nicht mehr. Aber schon alleine dieser Punkt sagt vieles.
Generell gibt es nette Funktionen wie z.B. der Austausch zwischen Ikeakunden, das Angeben mit seiner eigenen Einrichtung usw. Es scheint aber als ob die ganzen Mitglieder dafür bezahlt werden bzw. Agenturmenschen sind. Das ist einfach nicht authentisch. Und die Zielgruppe hat ein sehr feines Gespür für so einen Marketingbullshit. Aus meiner Sicht entsteht ein Imageschaden. Und meine Kritik war nur aus konzeptioneller Sicht. Technisch gesehen haben die Berater völlig versagt: Flash als Basis ist erklärter Schwachsinn. Nur ein Argument: Kein iPhone kann auf die Seite zugreifen. Schade. Eine große Chance vertan. Dann doch lieber eine Facebbook-Gruppe aufmachen und moderieren. Das wäre weitaus günstiger und zielgerichteter.
Welche Suchmaschine die beste ist, kann man natürlich nicht objektiv sagen. Aber subjektiv. Und zwar hier. Man kann ein Stichwort gleichzeitig in Google, Yahoo und Bing suchen lassen und bekommt die Ergebnisse sauber nebeneinander. Interessanterweise ist Bing wirklich gut. Ich freue mich über eure Meinungen.
Nach Monopoly lässt Hasbro nun Trivial Pursuit online spielen. Angereichert mit der Grundsatzfrage welches Geschlecht das klügere ist kann man hier viel Spass damit haben. Da fällt mir ein dass ich mir mal wieder eine neue Edition kaufen muss.
Auf einer der lustigsten Seiten im Netz – der hochverehrte Joscha Sauer erfreut hier kostenlos mit sehr, sehr tollen Cartoons – gibt es aktuell eine einwandfreie Online-Marketingmaßnahme von Microsoft zu sehen (siehe Bild). Hier wird nicht ein schnöder Xbox-Banner gezeigt, sondern ein vom Künstler gezeichneter Banner. So habe ich das noch nie gesehen. Schön, nicht nervig und zugleich wirkungsvoll. Wer auch immer die Idee hatte verdient Respekt. Auch wenn es Microsoft war.
Früher hat die Musikindustrie die Verkaufszahlen zu Hitlisten aggregiert. Wie akkurat oder wie unabhängig das war konnte ich persönlich nie genau sagen. TheNextBigSound geht anders vor um die Bekanntheit hzw. Beliebtheit von Künstlern zu messen: Anzapfen von Plattformen wie Twitter, last.fm, Myspace, Facebook u.a. und Daten auslesen wieviel was gespielt wird und über was geredet wird. Der Nutzwert ist gering, aber trotzdem irgendwie interessant. Und sieht gut aus.
Fujifilm Binoculars USA ist mein Held des Tages: Die Welt lacht über den HTML-Quelltext dieser Seite. Der Webdesigner scheint des öfteren die Dienstanweisung erhalten zu haben, dass die Schriftgröße 8 genommen werden soll. Als Ergebnis enthält der Quelltext der Seite unzählige Schriftgrößensteuerzeichen. Das wäre so unfähig (aber witzig) wie es nur geht. Laut Quelltext ist die Seite auch mit dem Web-Studio für Windows erstellt worden. Nicht gerade das bevorzugte Werkzeug guter Umsetzer. Einiges spricht also für Pfusch am Bau.
Aber es könnte auch anders sein. Und jetzt wird es nerdy.
Hier der Quelltext als Grafik auf der Seite liegend:
Und hier die Aussicht aus dem obersten Stockwerk der Firmenzentrale im japanischen Saitama – Blickrichtung Berg Fuji
Und jetzt diese beiden Grafiken übereinander:
Lerneffekt:
1. Man kann nicht nicht kommunizieren!
2. Nicht wenige Menschen schauen auf den Quelltext von Seiten
Die Familie Oliveri aus dem Piemont stellt diverse italienische Köstlichkeiten her. Und macht dabei aus Kommunikationssicht alles gut. Davon ausgegangen, dass es hervorragende Produkte sind, stellen wir an dieser Stelle vor, wie auch ein kleiner Betrieb mit wenigen Mitteln gute Werbung machen kann. Die Sauberkeit und Stringenz des Auftrittes hinterlässt in mir das Gefühl “Wenn die schon in der Kommuniaktion so sauber arbeiten, dann vertraue ich auf die Qualität der Produkte und probier´ das ganze mal.” Im Detail spreche ich von den Zutaten:
- Investition in Produktfotografie
- Investition in Verpackungsdesign
- authentische Hintergrundinfos zum Unternehmen und dem Herstellungsprozess
- Schönes Screendesign
- Liebe zum Detail wie z.B. die automatische Sprachwahl anhand der Browsersprache.
Dieses Video des zweitgrößten Aquariums der Welt ist schön. Und hat man schon des öfteren gesehen. Sie hat aber auch einen interessanten Hintergrund: Normalerweise ist das Hinterlegen eines Videos mit einem Musikstück verboten. Findet Youtube & Co so etwas dann wird das Video gelöscht. Durchgesetzt hat diese Praxis die Marktmacht der Musikverlage und andere Organisationen, bzw. die Gema möchte nur Geld dafür haben. Argument ist, dass diese Art der Piraterie Umsätze kostet. So ganz stimmt das aber nicht: Um die immer in den Kommentaren folgende Fragen nach der verwendeten Musik vorab zu beantworten, hat der Uploader des Videos den Name des Stückes schon in den Titel eingefügt. Das Ergebnis in diesem Fall sind Abverkäufe und Konzertbuchungen en masse für die Musiker. Diese haben sich hier dafür bedankt:
Ganz nebenbei: Nachdem Monty Python in ihren Youtube Kanal sämtliche Sketche online gestellt haben ist nicht ganz das Null-Umsatz-Horrorszenario passiert, welches von den Chefetagen erwartet wurde. Duie Umsätze auf Amazon stiegen um 23 000 % (in Worten: Dreiundzwanzigtausend)
Während in Deutschland die Chefs der Verlagshäuser jammern und nach Staatshilfe rufen, ergreift in den USA die New York Times immer wieder die Chancen im Web. Hervorragende Nutzung des Mediums, Verständnis von Technologie und dem Netz im Allgemeinen werden gekrönt durch die Offenlegung der API vor einigen Monaten. Nun der nächste Streich: Lokale Online-Ableger für Stadtteile. Technisch kein großer Aufwand; redaktionell abdeckbar und nachgefragt durch die Leser. Deutsche Zeitungsverleger würden abwinken mit Hinweis auf die Kosten. Die Lösung dafür ist eine technische. Und einfach dazu: Finanzierung über ultralokale Werbung. Einem Leser in Straße X gibt man die Werbung des Restaurants in Straße X.
Die Reaktion der deutschen Presseleute auf den Plan, dass Leser redaktionelle Inhalte beisteuern dürfen, kann man sich denken. Daher wage ich an dieser Stelle eine Vorhersage: Lokalzeitungen wie wir sie kennen werden massive Probleme haben. Die Gründe dafür sind vielfältig. Aber es liegt nicht daran, dass die Menschen keine Nachrichten lesen. Sie nutzen sie einfach, wie sie möchten. Und etablierte Verlage können mit ihrem Dinosaurierdenken dieses nicht liefern. Die Zukunft gehört kleinen Onlineanbietern, die mit Freien und Lesern lokale Nachrichten schnell (und hoffentlich gut) aufbereiten. Finanziert durch lokale Werbung. Wir hören uns in 2012.
Die Longtail-Theorie hat sooo einen Bart. Trotzdem wissen einige noch nicht davon und ich stolpere gerade über ein schönes Beispiel dafür um die Theorie praxisnah zu erklären.
Jemand hat bemerkt, dass ein Online-Spezialversender für Schallplatten in der Summe viel mehr Umsatz mit “Ladenhütern” macht, als mit Bestsellern. Traditionell sagt die BWL durch Lagerzins, Kosten für Ladenmiete, Vertriebsbkosten u.ä., dass man Ladenhüter schnell abstoßen soll. Aber: Ist die Zeitkonstante lang genug, die Kosten gering genug, und erreicht man Liebhaber schnell genug, tritt der Longtail-Effekt ein. Grob gesagt.
Ein Praxisbeispiel erklärt es besser: Unter Brickarms.com kann man Waffen für Legomännchen kaufen. Wer zum Teufel kauft das?
Wäre das ein Ladengeschäft, wäre es sehr schnell insolvent. Im Internet bekommt man aber für solch ein extremes Nischenprodukt ausreichend Käufer. Die Lagerzinsen halten sich auch im Rahmen. Das Ergebnis sind hohe Umsätze und ggf. hohe Renditen, die bei Nischenprodukten normal sein sollten. Bingo.
Viele Unternehmen fragen sich: Bringt Bannerwerbung noch etwas?
In Europa liegt die Klickrate bei mageren 0,18%. Somit ein Killerargument gegen Bannerwerbung.
Aber:
Man vergisst, dass auch eingeblendete Werbung gesehen wird.
Und:
Es gibt (noch) die Möglichkeit, die Aufmerksamkeit zu steigen. Bislang selten gesehen sind Videobanner. Durch Bewegtbild auf einer Website steigert sich die Klickrate. Viel interessanter ist die Akzeptanzrate. 8,3% der Surfer halten diese Art von Onlinewerbung für vertretbar. Durch die Verbreitung von Breitbandanschlüssen steht, technisch gesehen, einem Videobanner nichts mehr im Wege. Ein aktuelles Beispiel dafür ist eine Werbung von Apple auf der New York Times Onlineausgabe.