Hier eine kleine Aktion, die aus Kommunikationssicht und aus juristischer Sicht interessant ist: Gamestar, ein Onlinehändler aus England hat als Aprilscherz seine Kunden beim Kauf per Checkbox einwilligen lassen, dass Sie Gamestar ihre “unsterbliche Seele verkaufen”. 7500 Käufer haben dem Vertrag zugestimmt.
Zum einen ist dieser Stunt natürlich sehr PR-wirksam. Diese Aktion war eine schöne und kostenlose Werbung für den Händler. Zum anderen sieht man daran, dass fast niemand die komplizierten und umfangreichen Vertragsdetails liest. Für den Gesetzgeber ist das aus meiner Sicht ein klares Signal die Regelungen nicht zu verkomplizieren, sondern zu vereinfachen.
Manchmal entstehen in der kreativen Masse hervorragende Idee. Diese greift dann eine Agentur auf und adaptiert sie auf ihren Kunden bzw. dessen Produkt. Leicht und nichtssagend ist das mit visuellen Ideen wie z.B. die Tiltshift-Optik der aktuellen Telekom-Anzeigen. Wenn man aber inhaltliche Ideen umsetzt, dann kann das gut werden. Subaru bedient sich der Idee Wir-setzen-normale-Menschen-in-Rennwagen-und-filmen-dabei-ihr-Gesicht. Die Aussage ist eine einfache: Das neue Subaru-Flagschiff WRX STI hat verdammt viel Leistung. Und hier kippt für mich die oft zitierte “Das ist nur geklaut” Kritik. Es ist definiv geklaut. Aber sehr sinnvoll. Und wirksam.
Hier finden man eine schöne Infografik was sich BP alles von den 100 Mrd Dollar an Wertverlust an der Börse hätte kaufen können. Darunter ist Yahoo, einen Pogostick für jedes amerikanische Kind und 10 Jahre Wasserversorgung für die 884 Mio Menschen ohne Zugang zu Frischwasser.
Die beliebte “I´m on an Horse” Kampagne geht heute offiziell zu Ende. Und sie war außerordentlich erfolgreich. Nicht zuletzt weil es eine echte Strategie dahinter gab: Zuerst einmal anfüttern, dann weitere Spots nach genau der richtigen Zeit. Und dann (und das war einigermaßen neu) von Leuten via Twitter vorgeschlagene Spots umsetzen. Darunter war sogar ein Heiratsantrag. Also zuerst via Facebook die Kampagne anlaufen lassen. Dann Weiterverbreitung via Mails. Dann nachlegen. Dann Interaktion via Twitter. “Old Spice hört zu und macht was der Kunde will” ist die Message. Das Briefing “nehmt Old Spice das Opa-Image” ist zu 100% umgesetzt (auch wenn Old Spice schon lange vorher mit skurilen Spots daherkam).
Die Zahlen:
- 600 000 Freunde auf Facebook
- 33 Mio Spotabrufe
- 120 000 Kommentare
- Budget: Sehr überschaubar
- Weltrekord im Bereich “die meisten Views innerhalb der ersten 24 nach Launch”. Noch vor Obamas Antrittsrede, Bush wird von einem Schuh getroffen und Susan Boyle.
Und das alles als eine Werbekampagne und nichts Krankes oder Zufälliges. Hut ab.
Das Schöne am Social Web ist ja, dass man glasklare Zahlen bekommt. Früher war das z. B. mit reinen Zuschauerzahlen nur auf Basis von einzelnen Sendungen denkbar. Trends auf Basis von Suchanfragen festzustellen, versucht Google schon länger, siehe z. B. hier. Ob mein persönliches, sinkendes Interesse z. B. an der Ölkatastrophe von BP nur gefühlt ist oder an der WM liegt, habe ich mich heute morgen gefragt. Das tolle Mashable hat mir genau diese Frage beantwortet (und sie sich vorher wohl auch selbst gestellt. Für Amerikaner eben).
Die Allgemeinheit scheint sich, wie ich, weniger für dieses Thema zu interessieren. Das ist an sich nicht so interessant. Aber dass man das jetzt messen kann ist bemerkenswert.
Ganze Wirtschaftszweige beschäftigen Horden von Rechtsanwälten um ihre Copyrightansprüche durchzusetzen. Sie behaupten mit angstgeweiteten, aber treuherzigen Augen, dass ihnen durch Plagiate die Geschäftsgrundlage entzogen wird. Musiklabels, Produktdesignern und anderen Hersteller geht es natürlich ums liebe Geld. Das ist verständlich. Aber nicht immer richtig. Und zwar nicht richtig hinsichtlich der Methoden, der Moral (manchmal) und vor allem nicht betriebswirtschaftlich sauber.
Wir bei Wagnerwagner mögen Querdenker. Und hier haben wir so einen: Connor Fester war zum Arbeiten auf den Ölfeldern Nordkanadas und wollte seine verdienten Dollars schick unterbringen. Keine Brieftasche hat ihm gefallen. Also hat er sich eine eigene designt. Und jetzt kommt es: Die Brieftasche hat er unter der Creative Commons lizenziert und stellt sein Design allen zur Verfügung. Für Open-Source-Software ein gängiges Verfahren. Mister Fester gibt also sein Baby aus der Hand. Und hat damit riesigen Erfolg – wie der Sold-out-Button beweist. Die Modebranche übrigens insgesamt verzichtet auf Schutz der Kreation. Denn auf diese Weise befruchtet man sich gegenseitig und ist getrieben besser zu sein als die Konkurrenz. Klagen ist manchmal also nicht der beste Weg.
Update: Hier gibt es eine schöne Auflistung ähnlicher Open-Source Produkte.
Standardmäßig installieren wir unseren Kunden das bewährte Google Analytics. Als Zugriffsstatistik halten wir dieses kostenlose Werkzeug für sehr sinnvoll, um anstehende Entscheidungen in der Kommunikation mit Daten zu unterfüttern. Ein einfaches Beispiel: Ob man eine englische Version der Website entwickeln soll, sagen einem einem neben der strategischen Ausrichtung des Vertriebes, die schlichten Besucherzahlen aus dem Ausland. So haben wir beipielsweise einen Kunden, der völlig überrascht davon war, dass 1/3 seiner Besucher aus den USA kommen. Oder ein anderer Kunde hat durch eine einfache Anpassung im Bestellprozess deutlich mehr Umsatz generiert – nachdem man gesehen hat, dass die Kunden zwar im Shop sind und Waren in den Warenkorb legen, dann aber abbrechen. Dies sind einfachste Basics. Analytics kann aber auch abgefahrene Aufgaben lösen wie z.B. “wenn ich zwei Versionen meiner Website ins Netz stelle und 50% auf jede Version schicke, welche ist dann die erfolgreichere”. Daher raten wir den weitaus meisten unserer Kunden Analytics zu nutzen und kein Geld für eine kostenpflichtige Trackingsoftware auszugeben.
Die Kehrseite der Datenmedallie sind aber Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes. Wenn man es darauf anlegt, kann man sehen was jeder Besucher genau macht. Ein Besucher ist in diesem Fall eine eindeutige IP-Adresse. Und manche Menschen haben dabei ein mulmiges Gefühl. Da die Adresse aber dynamisch vergeben wird, kann man ohne Zugriff auf die Provider nicht darauf schließen, wer der Besucher war. Und solch einen Zugriff bekommen selbst Staatsanwälte nur sehr schwer. Daher halte ich die Bedenken für unbegründet. Für alle anderen bessert Google jetzt nach. Man kann jetzt die genau Auflösung abschalten ohne große Auswertungen zu verlieren. Damit ist Analytics wieder salonfähig. Auf Surferseite stellt Google hier eine Erweiterung für den Browser zur Verfügung, die verhindert, dass seine Daten erfasst werden.
Flattr ist ein interessanter Ansatz wie man Geld im Internet verteilt. Er setzt auf eine Art “Trinkgeldmentalität” anstelle von Verlagsideen, die feste Preise für bestimmte Artikel haben möchte. Und genau das könnte die Lösung für die Misere sein. Flattr funktioniert so: Man legt einen monatlichen Betrag fest, den man ausgeben möchte. Also z.B. 2 EUR. Ein Anbieter (Blog oder Software oder Musik) setzt den Button auf sein “Produkt”. Wenn ich als Flattr-Benutzer mich für dieses Produkt bedanken möchte, dann klicke ich auf den Button. Mein monatlicher Betrag wird dann durch die Anzahl der Klicks geteilt und verteilt. Also wenn ich mich diesen Monat 2x bedanken möchte, dann klicke ich 2x auf den Button und jeder bekommt einen Euro. Klicke ich auf keinen Button, wird mein monatlicher Beitrag gespendet. 10% kassiert Flattr in jedem Fall.
Google wagt hier die Prognose: Die deutsche Lena gewinnt den Eurovisionscontest. Auf Basis der Anzahl von Suchanfragen schließt die Maschine auf das Interesse der abstimmenden Länder. Da 50% der Stimmen aber von einer Jury vergeben werden, bezweifle ich die Relevanz dieser Auswertung. Viel interessanter war damals die Vorhersage von Grippeepedemien auf Basis von Suchmaschineanfragen nach Sympthomen. Trotzdem ein interessanter Ansatz. Ich bin gespannt.
1. Eine Suchmaschine im Internet sorgt durch seinen Rückzug aus China (in Verbindung mit dem Verzicht auf die vom Regime geforderte Zensur) für diplomatische Verstimmungen zwischen den Supermächten. Diese Nachricht wäre vor 5 Jahren noch ein Aprilscherz gewesen. Ich denke es ist an der Zeit Sätze wie “Im Internet gibts nur Müll”, “Das bringt mir alles nichts”, “Das wird auch wieder vorbei gehen” und “Ich kann auch ohne das Internetz” zu überdenken. Sofern man jünger als 95 Jahre ist.
2. In den USA verzeichnet Facebook zum ersten Mal mehr Zugriffe pro Tag als Google. Alles fließt.
Ein schönes Beispiel für das integrative Zusammenspiel von Marketing und Vertrieb: SIGG, der Hersteller hervorragender Trinkflaschen, tut sich mit Cafepress.com zusammen und erlaubt dem interessierten Kunden personalisierte SIGG-Flaschen selbst zu designen und dann zu bestellen. Alles unter dem grünen Argument, dass man damit Plastikflaschen einspart. Die Bedienung des Designers funktioniert und sieht gut aus. Mass-Customisation die funktioniert. Und die Kunden zahlen viel dafür. Bei SIGG hat man genau verstanden wie die Zielgruppe tickt.
Unter http://www.hej-community.de/ hat Ikea eine Community gestartet. Was auf den ersten Blick als richtige Entscheidung daherkommt – schließlich sind die IKEA Kunden höchstwahrscheinlich im Social Web sehr aktiv – entpuppt sich als kommunikativer Rohrkrepierer. Da hilft auch kein Beta-Aufkleber. Außerdem macht man das seit 2004 nicht mehr. Aber schon alleine dieser Punkt sagt vieles.
Generell gibt es nette Funktionen wie z.B. der Austausch zwischen Ikeakunden, das Angeben mit seiner eigenen Einrichtung usw. Es scheint aber als ob die ganzen Mitglieder dafür bezahlt werden bzw. Agenturmenschen sind. Das ist einfach nicht authentisch. Und die Zielgruppe hat ein sehr feines Gespür für so einen Marketingbullshit. Aus meiner Sicht entsteht ein Imageschaden. Und meine Kritik war nur aus konzeptioneller Sicht. Technisch gesehen haben die Berater völlig versagt: Flash als Basis ist erklärter Schwachsinn. Nur ein Argument: Kein iPhone kann auf die Seite zugreifen. Schade. Eine große Chance vertan. Dann doch lieber eine Facebbook-Gruppe aufmachen und moderieren. Das wäre weitaus günstiger und zielgerichteter.
Einige farbige Bilder aus den 30ern und 40ern findet man hier. Die Kongressbibliothek in Washington hat in den Archiven gestöbert und zeigt Farbbilder aus eine Ära, aus der man normalerweise nur Schwarzweißbilder gewohnt ist.
“Weniger Bürokratie – mehr Effizienz” ist der Claim des Projektes Elektronischer Entgeltnachweis ELENA – nachzuschauen hier. Jede Geschäftsleitung muss sich damit auseinandersetzen und vor allem die Mitarbeiter hinsichtlich des Datenschutzes (zentrale Meldedatei inkl. Fehlzeiten, Sozialleistungen und Streikteilnahmen) informieren. Ob der Claim hier der Wirklichkeit entspricht ist äußerst fraglich. Aus Kommunikationssicht handwerklich fast so schlimm wie der Hinweis aus dem Screenshot bezüglich des Anspruches auf Auskunft was denn die Behörden da alles über einen speichern. Unglaubliches Dilettantentum.
Da bleibt nur noch ein Zitat aus V wie Vendetta. “Ein Volk sollte keine Angst vor seiner Regierung haben. Die Regierung sollte Angst vor seinem Volk haben.”
Welche Suchmaschine die beste ist, kann man natürlich nicht objektiv sagen. Aber subjektiv. Und zwar hier. Man kann ein Stichwort gleichzeitig in Google, Yahoo und Bing suchen lassen und bekommt die Ergebnisse sauber nebeneinander. Interessanterweise ist Bing wirklich gut. Ich freue mich über eure Meinungen.
Hier hat das immer wieder informative Magazin t3n einige Fakten und Mythen über Disclaimer auf Websites begutachtet und bewertet. Das meiste davon ist, wie zu erwarten war, Bullshit und völlig unnötig. Trotzdem ein sehr hilfreicher Artikel, falls man für Websites verantwortlich ist. Wenn man sicher gehen möchte, empfehlen wir wie immer einen Experten zu fragen. An dieser Stelle lege ich für unseren Medienrechtsanwalt Michael Stefan die Hand ins Feuer. Ein herzhaft unrechtsanwaltlicher Anwalt.
Phillip Toledano beschreibt und verarbeitet damit die Zeit, die er mit seinem Vater verbracht hat, nachdem seine Mutter gestorben ist. Ich bin sprachlos.